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Die Schwachstellen
des Kreationismus
Textmarken: Das
Alte Testament nur Beiwerk zum Neuen?, Die
Schwächen des Schöpfungsberichts
Das gemeinsame der Credo der christlichen Kreationisten
ist die Schöpfung der Welt durch einen einzigen Schöpfer. Die
christliche Religion unterscheidet sich ja von ihren Vorläufern, durch
den Glauben an einen einzigen Gott. Das scheint modern und doch
schimmert in Gebetsritualen immer noch die alte Geisterbeschwörung
durch und der Himmel ist bevölkert von Schutzengeln und teuflischen
Dämonen, denn das steht nun mal in der Glaubensgrundlage, der Bibel.
Auch die Existenz des Gottessohnes Jesus steht im Widerspruch zu
dem behaupteten Monotheismus, auch wenn die Kirche diesen Widerspruch
mit der behaupteten Dreieinigkeit wegdiskutiert.
Wie unglaublich "modern" die Bibel ist, zeigt sich
u. a. in
der Bezugnahme auf sagenhafte Meerungeheuer.
Psalm 74:14
Du hast dem Leviatan die Köpfe zerschlagen und ihn zum
Fraß gegeben dem wilden Getier.
(vgl. Hiob 40:25)
Dem Hiob soll der Herr in's Ohr gesäuselt haben (Hiob 38:6 und 8),
dass er das Meer mit Toren verschlossen hat und die Erde auf Pfeiler
gegründet hat. Nach Psalm 19:5 hat er ein Zelt für die Sonne gemacht.
Siehe auch das Kapitel
Gottesbild und
Weltbild im alten Israel.
Dem Gläubigen wird freilich nur
Jesaja 40:15 und Hiob 26:7 präsentiert, die scheinbar mit dem aktuellen
naturwissenschaftlichen Weltbild in Einklang zu bringen sind.
Jesaja 40:15
Siehe, die Völker sind geachtet wie ein
Tropfen am Eimer und wie ein Sandkorn auf der Waage.
Siehe, die Inseln sind wie ein Stäublein.
Hiob 26:7
Er spannt den Norden
(das Himmelsgewölbe?) aus über dem Leeren
und hängt die Erde über das Nichts.
Hier muss man erst mal ermitteln,
was mit dem Norden gemeint ist. Mit dem Norden ist
vermutlich das Reich der Götter (der Himmel) gemeint wie aus Jesaja hervorgeht.
Jesaja 14,12-13
Ach, du bist vom
Himmel gefallen, du strahlender Sohn der Morgenröte. Zu Boden bist
du geschmettert, du Bezwinger der Völker. Du aber hattest in
deinem Herzen gedacht: Ich ersteige den Himmel; dort oben stelle
ich meinen Thron auf, über den Sternen Gottes; auf den Berg der (Götter)versammlung
setze ich mich, im äußersten Norden.
Anmerkung der Einheitsübersetzung
zu Jesaja 14:12-21: Der Text verwendet mythische Bilder.
Nach babylonischer Anschauung wurde Helel, der Sohn der
Morgenröte, in die Unterwelt gestürzt, als er in den Himmel
aufsteigen wollte. Das
Weltall ist auch kein absolut leerer Raum. Die Erde wird durch ein
Gravitationsfeld und ihre eigene Bewegungsenergie auf ihrer Bahn
gehalten. Und dann muss man auch noch sehen, was sonst noch bei
Hiob steht. Zum Beispiel:
Hiob 37,18
...wölbst du gleich ihm das Wolkenfirmament,
das fest ist wie ein gegossener Spiegel?
Die Christen haben eben nur dieses eine Buch und so versuchen die
einen krampfhaft durch selektive Zitate und durch Interpretation das naturwissenschaftliche
Weltbild mit dem Weltbild der Bibel zu versöhnen.
Andere glauben an den
Wortlaut der Bibel und wiederum andere halten das alte Testament nur
für ein Beiwerk, das dem Verständnis der eigentlichen christlichen
Lehre dient, die nur im neuen Testament enthalten ist.
Das alte Testament nur ein Beiwerk des neuen Testaments?
Das neue Testament verweist an mehren Stellen auf die
Schöpfungsgeschichte. Der
Stammbaum von Jesus wird wird in zwei Evangelien auf Adam
zurückgeführt. Jesus verspricht einem der
Leidensgenossen am Kreuz, er werde noch heute mit ihm im Paradies sein
(Lukas 23 Vers 43). Paulus bezieht sich in seinen Briefen mehrfach auf
Adam und Eva (Römer 5:12, 1. Korinther 15:22, 1. Timotheus 2:13). Die Legende vom Sündenfall ist
ein elementarer
Bestandteil des christlichen Glaubens. Der Erlösungsgedanke basiert
darauf.
| Meist wird bei der Interpretation
von Matthäus 4,8 nur auf
die Versuchung eingegangen. Satan bietet Reichtum, und verlangt dafür
Verehrung. Jesus widersteht dieser Versuchung und dient nur Gott.
Wer hier meint Satan habe Jesus auf jenem
hohen Berg geistige Reiche versprochen, der sei daran erinnert, dass Satan
an anderer Stelle als Fürst dieser Welt beschrieben wird (Johannes 12:31)
und er kann nur das versprechen, was er hat, nämlich diese Welt. Und um
jemand ein geistiges Reich zu zeigen, braucht man ihn nicht in der Wüste
auf einen hohen Berg zu führen. Außerdem sagt Jesus in Johannes 18:36
"Mein Reich ist nicht von dieser Welt".
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Das Weltbild des neuen Testaments ist auch keineswegs moderner als
das des alten Testaments. Jesus erzählt seinen Jünger, der Teufel habe
ihn auf einen ungewöhnlich hohen Berg geführt und ihm dort alle
Königreiche und ihre Herrlichkeit gezeigt (Matthäus 4:8).
Er glaubte
also an ein Weltbild, in dem die Erde eine überschaubares von
Wasser umgebenes Land war, so wie dies die Schöpfungsgeschichte lehrt.
Wer hier meint Jesus hat die Vorstellungen seiner Zeit nur aufgegriffen,
der sei daran erinnert, dass der Grieche Eratosthenes (siehe Index
Stichwort Eratosthenes) bereits um 230 v.Chr. den Umfang der Erde errechnet hat.
Der Erfinder der Offenbarung berichtet gar von Winddämonen, die an
den vier Ecken der Erde von
Engeln festgehalten werden, damit kein Wind über die Erde wehe
(Offenbarung 7:1). Von christlicher Seite bemüht man sich deshalb immer die
Offenbarung als eine verklausulierte Botschaft darzustellen, die
interpretiert werden muss. Nur - wieso heißt dieses Buch dann
Offenbarung, wenn nichts offenbart wird, sondern alles verklausuliert
ist?
Auch Paulus sieht Naturkräfte
nicht als physikalisches Prinzip, sondern immer im Zusammenhang mit
Personen, denen eine Geistesgabe verliehen wird.
1. Korinther 12:4-11
Es
gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. (Röm 12,6; Eph
4,4) Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn. Es gibt
verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt
alles in allen. (1. Korinther 8,6; Epheser 4,6) Jedem aber wird die
Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt. Dem einen
wird vom Geist die Gabe geschenkt, Weisheit mitzuteilen, dem andern
durch den gleichen Geist die Gabe, Erkenntnis zu vermitteln, dem
dritten im gleichen Geist Glaubenskraft, einem andern - immer in dem
einen Geist - die Gabe, Krankheiten zu heilen, einem andern
Wunderkräfte, einem andern prophetisches Reden, einem andern die
Fähigkeit, die Geister zu unterscheiden, wieder einem andern
verschiedene Arten von Zungenrede, einem andern schließlich die Gabe,
sie zu deuten. Das alles bewirkt ein und derselbe Geist; einem jeden
teilt er seine besondere Gabe zu, wie er will.
Da ist Gott
natürlich bei einem Schneetreiben schwer beschäftigt, wenn er die
Schneekristalle formt und sie in der Luft tanzen lässt. Aber er ist
damit auch berechenbar und handelt wie ein Automat gemäß physikalischen
Formeln. Das will natürlich der überzeugte Christ nicht hören.
Kleinigkeiten wird der überzeugte Christ sagen. Aber sind es nicht gerade Kleinigkeiten, die einen Lügner
überführen?
Die Schwächen des Schöpfungsberichts
Unter Theologen ist bekannt, dass der Schöpfungsbericht aus zwei
Quellen stammt, die zusammengefügt wurden. Zusammengefügt wie so
vieles in diesem zusammengeschusterten Buch. Die Schöpfungsgeschichte
wird ab 1.Mose (Genesis) 2:5 erneut erzählt. Fundamentalisten ficht
das nicht an. Sie behaupten, hier werden nur unterschiedliche Akzente
gesetzt. In dem ersten Bericht wird die Reihenfolge der Schöpfung
dargestellt, im zweiten die Bedeutung der Lebewesen.
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Der Himmel ist lt. Schöpfungsbericht aus festem Material an das die
Sonne, der Mond und die Sterne angeheftet werden. Die Fundamentalisten
verschleiern dies, indem sie das Wort für Feste oder Firmament mit
Wölbung übersetzen. Die Bibel spricht übrigens auch meist von den
Himmeln in der Mehrzahl.
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Das Licht wird am
ersten Tag geschaffen, aber die Lichtquellen Sonne und Sterne werden
erst am vierten Tag geschaffen. Einen Tag nachdem bereits Pflanzen die
Erde überwucherten. Interpretiert man die Tage aus der
Schöpfungsgeschichte als Zeitabschnitte, die Tausende oder
sogar Millionen von Jahren gedauert haben können
(gemäß 2. Petrus 3:8) so hat man das Problem, dass
Pflanzen diese lange Zeit ohne Licht nicht überdauern können. Die
meisten Pflanzen wachsen auch nur unter Lichteinwirkung, zumal mit dem
Licht auch Wärme eingestrahlt wird. Die Fundamentalisten helfen sich hier damit, dass Gott eben in
dieser Zeit sein eigenes Licht leuchten ließ (Offenbarung 22:5). Die
Interpretation des Tags als Zeitabschnitt, der Tausende von Jahren
gedauert haben kann, ist auch nicht schlüssig, weil Gott in Genesis
(1. Mose) 1,14 selbst die Länge eines Tages definiert. Da heißt
es: "Dann sprach Gott: Lichter sollen am Himmelsgewölbe sein, um Tag
und Nacht zu scheiden. Sie sollen Zeichen sein und zur Bestimmung
von Festzeiten, von Tagen und Jahren dienen;"
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Am fünften Tag erfindet Gott die Meerestiere und
die Vögel. Am sechsten widmet er sich den Landtieren, wozu auch die
Würmer zählen. Gemäß der Evolutionstheorie gehören Würmer zu den einfachen
Lebensformen und haben sich vor den Vögeln entwickelt. Die
Schöpfungsgeschichte berichtet dies anders.
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Bei der Schöpfung der Tiere und Pflanzen gehen die
christlichen Fundamentalisten davon aus, dass hier genetisch
reichhaltige Grundtypen geschaffen wurden, aus denen degenerierte
Varianten entstehen konnten. Nach Meinung religiöser Fundamentalisten
gibt es keine Weiterentwicklung, sondern nur eine Degeneration der
Lebewesen seit dem Sündenfall. Die heute festgestellte Artenvielfalt,
Schätzungen gehen von etwa 1,3 Millionen Arten aus, ist ein Problem
für die Arche Noah, das man mit der Schöpfung von Grundtypen
umgeht. Man hat dann aber das Problem, dass die Entstehung neuer
Arten aus Vorläufern doch möglich ist. Genau dies lehnt man jedoch
wegen der fehlenden Zwischenformen bei Fossilfunden ab. Arten, die
sich zwar kreuzen lassen, deren Nachkommen aber keine
fortpflanzungsfähigen Nachkommen haben (z. B. Pferd und Esel
---> Maultier), lässt man dabei nicht als Übergangsformen
gelten. Auch Arten, die während des Wachstums ihr Äußeres massiv
verändern, wie z. B. die Entwicklung eines Frosches aus einer
Kaulquappe, gelten nicht als Übergangsformen. Außerdem
darf der Unterschied zwischen den so entstandenen Arten nicht
größer sein als der Unterschied zwischen Mensch und Menschenaffe,
denn lt. Bibel wurde der Mensch als eigene Art geschaffen.
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Die
Degeneration der Arten wurde bisher nicht nachgewiesen. Es wurde
lediglich anhand von Fossilfunden die äußerliche Konstanz gewisser
Arten nachgewiesen.
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Der
genetische Unterschied zwischen Mensch und Affe ist sehr gering.
Nach Schätzungen ist mehr als 99% des genetischen Materials
identisch. Andererseits können die genetischen Unterschiede beim
Menschen nach Schätzungen zwischen 6% und 7% des genetischen
Materials betreffen. Es ist also fraglich ob man durch die
Definition von Grundtypen eine wesentliche Reduzierung der Arten
erreichen kann.
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Der Fund von
Fossilien ist ein reiner Glücksfall, denn niemand hat das
Geld Grabungen in großem Umfang durchzuführen. Fossilien werden im
allgemeinen im Erdboden nur konserviert, wenn Tiere / Pflanzen durch eine
Katastrophe (z. B. Erdrutsch, Vulkanausbruch, Erdbeben,
Meteoriteneinschlag) mehrere Meter tief verschüttet werden, sodass
die Wurzeln der Bäume sie nicht zersetzen.
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Zwischenformen
existieren wahrscheinlich auch nur in einem relativ kurzen Zeitraum,
denn sie passen sich an die ökologische Niesche an, die sie sich
erschlossen haben. Folglich ist es auch schwieriger Fossilen von
Zwischenformen zu finden.
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Man fragt sich auch, warum Gott eine Welt geschaffen hat, in der sich
Lebensformen gegenseitig auffressen. Es gibt Pflanzen die sich u.a. auch
von Insekten ernähren. Tiere ernähren sich entweder von Pflanzen oder
von anderen Tieren. Die Symbiose von Pflanzen und Tieren ist in dieser
Welt die Ausnahme. Es ist eine Welt des Gegeneinander, die hier geschaffen wurde,
kein harmonisches Konzert.
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Pflanzen dienen lt. Bibel der Ernährung (Genesis 1:30)
und zwar lt. Schöpfungsbericht im Paradies für alle Tiere. Den grasfressenden Löwen mag es ja noch geben. Aber ein
grasfressendes Krokodil oder einen pflanzenfressenden Blutegel? Die
Spinndrüsen der Spinne wären völlig überflüssig, wenn sie sich
von Pflanzen ernährt, ebenso die Giftzähne verschiedener
Schlangenarten. Dass sie sich durch Degeneration erst entwickelt
haben sollen, ist unglaubwürdig.
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Parasiten wie der Kuckuck oder der Bandwurm werden im Schöpfungsbericht nicht erwähnt.
Krankheitserreger ebenfalls nicht.
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Dem Schöpfungsbericht nach haben sich die Tiere im Paradies nur
vermehrt, aber sind nicht gestorben. Bei der gigantischen
Vermehrungsrate der Insekten wären da für andere Tiere allenfalls jene
Pflanzen übrig geblieben, die resistent gegen Insekten sind, also
giftig für Insekten. Aber wo es Gift gibt, da gibt es auch den Tod.
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Lt. Schöpfungsbericht droht Gott nur Adam und Eva den Tod an, wenn
sie vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse essen (Genesis 2:17). Aber
nach dem Sündenfall ist plötzlich die ganze Schöpfung verflucht,
einschließlich aller Nachkommen. Etwas, was unserem Verständnis von
Gerechtigkeit völlig widerspricht. Wie in der Stammesgesellschaft
üblich kommt hier die Sippenhaft zur Anwendung. Auch Jesus verflucht in
den Evangelien einige Städte (Lukas 10:10-15).
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In der Bibel ist der Tod nicht das Endstadium eines
Alterungsprozesses für Gehirnzellen (andere Zellen leben zum Teil
länger, zum Teil sterben sie früher), sondern der Tod wird
darüber hinaus auch personifiziert (Offenbarung
20:14) und er tritt plötzlich ein.
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Die wörtliche Interpretation nach der Gott die Welt in sieben Tagen
vor ca 6000 Jahren geschaffen hat, hat den Schönheitsfehler, dass Gott
dann den Menschen mit dem Licht der Sterne getäuscht hat, indem er das
Licht der Sterne bei der Schöpfung bereits geschaffen hat. Dabei hat er
auch die Bewegung der Sterne mit berücksichtigt, so als wären sie
schon seit hunderttausenden von Jahren da. Er hat Supernova-Explosionen
mit Licht vorgetäuscht und so weiter. Gott wäre damit der größte
Gaukler aller Zeiten.
So wörtlich darf man die Bibel die Bibel nicht nehmen wird hier
mancher Christ einwenden. Aber warum denn nicht? Ist sie nicht
Gottes Wort? Kann man ihn nicht beim Wort nehmen? Ist Gottes Wort so missverständlich, dass
man die Bibel ständig neu interpretieren muss? Jede Interpretation
birgt doch die Gefahr in sich, dass etwas hineininterpretiert wird,
was nicht in der Bibel steht oder den vom Autor beabsichtigten Sinn
des Textes verfälscht.
Die meisten Christen stellen
freilich die oben genannten Überlegungen nicht an. Für sie ist die
Schöpfungslehre glaubwürdiger als die Evolutionstheorie, weil selbst
die einfachsten Organismen äußerst komplexe Ansammlungen
unterschiedlicher chemischer Bausteine sind.
Sie übersehen dabei, dass
komplexe chemische Systeme auch zahlreiche Eigenschaften besitzen. Je
komplexer ein System ist, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass es
die Eigenschaft besitzt sich von anderen Systemen durch Ausbildung einer
Membran abzugrenzen. Warum sollen also auf diese Weise nicht auch Systeme entstanden
sein, die die Fähigkeit zur Reproduktion ihrer Struktur besitzen?
Die Schöpfungslehre löst nicht
das Problem der Schöpfung. Sie verlagert es nur auf ein metaphysisches
Wesen, auf ihre größte Schöpfung, auf Gott, den großen Alleskönner,
dessen Herkunft sie als göttliches Geheimnis definiert. Die
Schöpfungslehre setzt hohe geistige Fähigkeiten voraus, die sich auf
unerklärliche Weise im Schöpfer konzentriert haben sollen.
Die Evolutionstheorie setzt
dagegen nur die Existenz eines Weltalls voraus, in dem im freien Spiel
der Kräfte Varianten der Kohlenstoffchemie zur Ausprägung kamen und so
ein Wesen entstand, das die Fähigkeit für einen Stoffwechsel und
die Fähigkeit zur Reproduktion beinhaltete. Sie behauptet, dass alles aus kleinsten Anfängen heraus entstanden
ist. Auch geistige Fähigkeiten haben sich nach der Evolutionstheorie
allmählich im Nervensystem konzentriert. Es ist hier ein gleitender
Übergang vom gesetzmäßigen Sollen zum bewussten Wollen, von dem wir
nicht wissen, wie weit dieses Wollen im unbewussten Bereich vorgegeben ist.
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