| Die Stammväter - eine "ehrenwerte
Gesellschaft"
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| Teil 2
Textmarken: Mord und Brudermord, Der Gott der Mörder, Tempelprostitution, Gesegnet sei der Diebstahl |
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Den durch ihre Gotteserscheinungen berühmten Vätern folgten die etwas weniger berühmten Söhne. Die Söhne Jakobs wurden alle zu Stammvätern des Volkes Israel. Wie hinterlistig und grausam diese Stammväter waren, zeigte sich schon bald.
Wegen der überzeugenden Worte scheint Dina wohl freiwillig bei Sichem geblieben zu sein. Sichem hatte durchaus edle Absichten. Seinen Vater läßt er zu Jakob gehen. Er soll Jakob um die Hand seiner Tochter zu bitten. Er macht ein großzügiges Angebot.
Die Söhne Jakobs verlangen, daß Sichem und Chamor bei ihrem Stamm den israelitischen Beschneidungsritus durchsetzen. Der Beschneidungsritus - ein Opfer an die Gottheit. Das äußerste Opfer, das ein Mensch darbringen konnte, war das Fleisch seiner Kinder (die fast ausgeführte Opferung Isaaks) oder sein eigenes Fleisch. Sichem und Chamor gelingt es den Beschneidungsritus bei ihrem Stamm durchzusetzen. Trotzdem werden sie überfallen und getötet (1. Mose 34:25-27). Die Frauen und Kinder werden versklavt, die Viehherden und der übrige Besitz werden mitgenommen (1. Mose 34:28-29). Selbst dem abgebrühten Vater Jakob ist dies zuviel. "Ihr habt mich in Verruf gebracht", rügt er seine Söhne Simeon und Levi, denselben Levi, der zum Stammvater der Priesterkaste Israels wurde. Der Gott Israels nimmt den Vorfall gelassen hin. Er verlangt nur, daß Jakob die fremdländischen Götter wegschafft und, daß ihm Jakob einen Altar bauen soll. Dafür beschützt er dann Jakob vor Verfolgung durch die verbündeten Stämme.
Einige der Stammväter schreckten sogar vor einem Brudermord nicht zurück.
Ruben verhinderte noch den Mord und erreicht, daß sie ihn in eine leere Wassergrube werfen. Juda kam dann auf die Idee ihn an midianitische Kaufleute für zwanzig Silberstücke zu verkaufen (1. Mose 37:21-22,26-28). Ihrem Vater erzählen sie, daß ein wildes Tier den armen Joseph gefressen hat. Die Geschichte geht trotzdem noch gut aus. Der Traumdeuter Joseph wird in Ägypten angeblich zum Erfinder der Vorratskammern. In der ägyptischen Geschichtsschreibung wird dies jedoch nirgends bestätigt, und die Nachkommen jenes Joseph und die Nachkommen seiner Brüder werden in Ägypten hauptsächlich zur Sklavenarbeit eingesetzt.
Betrachten wir nun noch eine Geschichte aus dem Leben des Moralapostels Juda. Er war ja einer der Vorfahren von Jesus.
Nach dem Tod seiner Söhne Er und Onan, wäre Juda verpflichtet gewesen, die Schwagerehe mit seiner Schwiegertochter Tamar zu vollziehen. Er schickte sie jedoch in ihr Elternhaus zurück (1. Mose 38:6-11). Nun wußte Tamar, daß ihr Schwiegervater, nach dem Tod seiner Frau, nicht nur zum Scheren der Schafe nach Timmna ging. Also verkleidete sie sich als Tempelprostituierte. Ja - so etwas gab es damals noch. In manchen Orten bemühten sich Priester und Prostituierte gemeinsam um das leibliche und geistige Wohl derjenigen, die sich ihnen anvertrauten. Dem Propheten Hosea empfiehlt der Herr sogar sich eine Tempelprostituierte zu nehmen.
Prostitution war übrigens zur Zeit des weisen Königs Salomo kein Verbrechen. Salomo schlichtet u. a. einen Streit zwischen zwei Prostituierten. Es ging dabei um ein Kind. Beide Frauen behaupteten, daß das Kind ihr Kind sei (1. Könige 3:16- 28). Auch der, angeblich von Gott, mit Wunderkräften ausgestattete Richter Simson vergnügte sich mit einer Prostituierten (Richter 16:1). Von zwei Spähern des Josua wird berichtet, daß sie Unterkunft bei einer Prostituierten mit Namen Rahab nahmen (Josua 2:1, siehe auch Josua 6:17, 6:22-23). Sogar von männlichen Tempelprostituierten wird berichtet (2. Könige 23:7). Natürlich tat man das auch damals schon nicht aus reiner Menschenfreundlichkeit, sondern des schnöden Mammons wegen. Es gibt zwar in 3. Mose 19:29 ein Gesetz gegen die Prostitution und in 5. Mose 23:17 ein Gesetz gegen Tempelprostitution. Aber mit diesen Gesetzen nahm man es wohl nicht so genau, denn der Richter Jephta war der Sohn einer Prostituierten (Richter 11:1), obwohl in 5. Mose 23:2 steht:
Nach dieser Exkursion zum Thema Prostitution nun wieder zur Geschichte von Juda und Tamar. Juda sah nun die verschleierte Tamar am Eingang des Dorfes Enajim sitzen. Er erkannte sie jedoch nicht. Da er jedoch ohnehin eine kleine Pause einlegen wollte, sprach er jene Tempelprostituierte an (1. Mose 38:13-15).
Durch seinen Diener läßt Juda das Ziegenböckchen schicken, aber der Diener kehrt unverrichteter Dinge zurück. Er erfährt nur, daß es an diesem Ort keine Tempelprostituierte gibt (1. Mose 38:19-23). Aber wie reagiert nun Juda, als er erfährt, daß seine Schwiegertochter Tamar als Tempelprostituierte schwanger geworden ist.
Zum Glück kann Tamar Judas Siegelring vorweisen, und Juda erkennt seine Ungerechtigkeit. Der Charakter Judas wird von seinem Vater Jakob nochmal beleuchtet, als er ihn kurz vor seinem Tod segnet. Hier eine kleine Auswahl der Segenswünsche:
Über einige der Brüder von Juda und die Zukunft ihrer Stämme urteilt Jakob nicht weniger kritisch.
Zur Sprache kommt bei diesen Segenswünschen auch, wie Jakob sein Eigentum erworben hat.
Wenn man solche Worte liest, fragt man sich unwillkürlich, ob denn das Sprichwort "unrecht Gut gedeiht nicht gut" für jene, angeblich von Gott begnadeten Menschen, nicht gilt, und man fragt sich, ob es damals auf dieser Welt keine besseren Menschen als jene Nachkommen Isaaks gegeben hat. |