|
1. Zahlen und ihr Wert
Wenn wir von Zahlen in der Bibel sprechen, dann
ist es wichtig, sich vor Augen zu halten, dass der Hebräer keine
eigenen Zahlzeichen kennt. Man behalf sich dementsprechend damit,
dass man den Buchstaben des Alphabetes Zahlenwerte zuwies. Jeder Buchstabe entspricht bei
dieser Methode der Zuweisung von Zahlenwerten nicht mehr nur
einem Laut, sondern auch gleichzeitig einem Zahlenwort. Daher kann ich natürlich
auch mit Worten zu rechnen beginnen.
Die Zahlenwerte des hebräischen Alphabetes sehen nun
wie folgt aus:
 |
["Aleph"] |
= 1 |
 |
["Beth"] |
= 2 |
 |
["Gimel"] |
= 3 |
 |
["Daleth"] |
= 4 |
 |
["He"] |
= 5 |
 |
["Waw"] |
= 6 |
 |
["Sajin"] |
= 7 |
 |
["Cheth"] |
= 8 |
 |
["Tet"] |
= 9 |
 |
["Jod"] |
= 10 |
,
 |
["Kaph"] |
= 20, 500 |
 |
["Lamed"] |
= 30 |
,
 |
["Mem"] |
= 40, 600 |
,
 |
["Nun"] |
= 50, 700 |
 |
["Samech"] |
= 50 |
 |
["Ajin"] |
= 70 |
,
 |
["Pe"] |
= 80, 800 |
,
 |
["Zade"] |
= 90, 900 |
 |
["Koph"] |
= 100 |
 |
["Resch"] |
= 200 |
/
 |
["Sin"/"Schin"] |
= 300 |
 |
["Thaw"] |
= 400 |
Für die einfach strukturierte Welt dieser Bauern,
Handwerker und Nomaden genügte dies. Der Hebräer verwendete kein
Zahlensystem in unserem Sinn. Um komplexere Zahlenwerte auszudrücken
setzte man, wie auch bei römischen Zahlen, die Zahlenwerte/Zahlenbuchstaben hintereinander
und verstand sie als Summe.
Dies macht schon deutlich, dass man mit dieser Art
Zahlen zu schreiben, keine große Mathematik betreiben kann.
Von daher wird verständlich, dass sich die Hebräer
mit Zahlen nicht leicht getan haben. Wir finden in der Bibel kaum genaue
Zahlenangaben, ganz besonders, wenn die Anzahl dessen, von dem berichtet
wird, eine bestimmte Größenordnung übersteigt. Und wenn es sich sogar
um sehr viele Gegenstände oder Leute handelt, dann behilft man sich häufig
mit der banalen Angabe, dass es sich um tausend oder viele tausend
gehandelt habe.
So steht die Zahl Tausend in der Bibel sehr häufig ganz einfach für den Ausdruck, "unermesslich
viel". Man muss solche Zahlenangaben daher mit der entsprechenden
Vorsicht genießen und muss sie als das nehmen, was sie sind, als Umschreibungen
von Größen- und Mengenverhältnissen und nicht als exakte
Zahlenangaben.
Aber nicht nur die Zahl Tausend muss so in besonderer
Weise gedeutet werden. Zahlen überhaupt sind von ganz eigener Bedeutung
in der Bibel. Es gibt eine regelrechte Zahlensymbolik.
2. Zahlensymbolik
Die geheimnisvoll-religiöse Deutung von Zahlen über
ihren wirklichen Rechenwert hinaus, geht auf die früheste Zeit zurück
und begegnet uns bereits in den Naturreligionen.
Die Zahl als Maß der Dinge, als Maß für Wohlstand
und damit auch für Wohlergehen, die Zahl als Maßstab von Raum und Zeit hat damit
auch gleichzeitig Anteil an der mystisch-religiösen
Bedeutung dieser Dimensionen. Ja, sie wird dann sogar zum eigentlichen
Ausdruck der mystisch-religiösen Dimension von Raum und Zeit.
Der babylonische Kulturkreis hat sich daher
vorgestellt, dass die Zahlen göttlichen Ursprungs seien. Und hier wurde
auch ein regelrechtes System der Deutung von Zahlen entwickelt.
Vom Zweistromland aus wurden dann alle übrigen alten
Kulturen und Religionen in Indien, Persien, Griechenland bis hin nach
Alt-Israel beeinflusst. Und vermittelt durch das AT und dann das NT
dringt die Zahlensymbolik dann auch in den christlichen Kulturkreis ein.
Die Zahlensymbolik, die wir im Alten Testament
vorfinden, ist dementsprechend auch nicht nur originär
alttestamentlich, sondern muss im größeren Zusammenhang der Antike
gesehen werden.
Wir können manche Symbolgehalte nur noch erahnen. Und
ganz besonders schwierig ist es, nachzuvollziehen, wie solch eine
symbolische Bedeutung zustande gekommen ist und welchen Hintergrund sie
hat.
Hier nun einige Hinweise zur Deutung einzelner Zahlen.
- 1: Das ist die Zahl des Ursprungs und des Maßes
der Zahlen überhaupt. Die Zahl 1 wird daher zum Symbol für das
Ureine, Unteilbare und dann auch das Göttliche.
-
2: Die Zahl 2 bedeutet dann unter anderem
Gegensatz, Trennung, Polarität, die Zweiheit von männlich und
weiblich, rechts und links, gut und böse (vgl. yin und yan), aktiv
und passiv, Sonne und Mond, Tag und Nacht.
In der christlichen Tradition kommt dann noch die Polarität AT und
NT, und vor allem dann Gott und Mensch im Blick auf Jesus Christus
dazu (zwei Naturen in Christus).
-
3: Manche vermuten, dass die Zahl 3 ursprünglich
ihre Bedeutung im Umfeld des kindlich primitiven Menschen erhalten
hat, bei dem die Fähigkeit zu zählen bei der Zahl drei bereits an
ihre Grenzen stieß. Dies könnte seinen Niederschlag auch in dem
bekannten Sprichwort gefunden haben, dass jemand nicht auf 3 zählen
kann.
Da ich mit dem auf 3 Zählen dann an die Grenze des
Zählens gelangt bin, könnte die Zahl 3 von daher schon ursprünglich
den Sinn von "das Umfassende" bekommen haben.
Eine andere Möglichkeit der Herkunft dieser
Bedeutung ließe sich im Blick auf die Dreiheit von Vater, Mutter und
Kind als der Urzelle menschlichen Zusammenlebens erklären.
Als das Ganze, das Umfassende wird die Zahl 3 dann
auf jeden Fall Zahl der Heiligkeit und Vollkommenheit. Dies äußert
sich beispielsweise in den göttlichen Triaden der Antike, so etwa dem
Götterdreigestirn Anu, Enlil und Ea in Babylon, die für Himmel, Luft
und Erde stehen.
Im christlichen Bereich findet diese göttliche
Dreiheit ihren Ausdruck in der Trinitätslehre.
Im Israel der Bibel begegnet die 3 als göttliche
Zahl beispielsweise in der berühmten Stelle Jesaja 6:3
"Im Todesjahr des Königs Usija sah ich den
Herrn Jahwe auf einem hohen und erhabenen Throne sitzen; seine
Schleppe füllte das Heiligtum. Seraphe standen vor ihm; jeder hatte
sechs Flügel. Mit zweien bedeckte er sein Angesicht, mit zweien
bedeckte er seine Füße, und mit zweien schwebte er. Und immerfort
rief einer dem anderen zu: "Heilig, heilig, heilig ist Jahwe
Zebaot, die ganze Erde ist voll seiner Herrlichkeit."" (Jesaja
6:1-3)
Ein anderes Beispiel ist der Besuch der drei Männer
bei Abraham in 1. Mose 18. Dabei fällt auf, dass dieser Text vielschichtig aufgebaut
ist. Eine Schicht spricht davon, dass Jahwe bei Abraham einkehrte. In
der anderen wird anstelle Jahwes von eben diesen drei Männern
gesprochen.
Und wenn die Genesis davon spricht, dass der Mensch
nach Gottes Bild geschaffen wurde (1. Mose 1:27), dann wird in diesem Vers der Ausdruck
"erschaffen", das hebräische Wort
["bara"] auch gleich dreimal verwendet:
"Gott schuf also den Menschen als sein Abbild;
als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie."
(1. Mose 1:27)
- 4: Die Zahl 4 hingegen hat körperlich
kosmische Beziehungen.
- 4 Wind- und Himmelsrichtungen,
- 4 Jahreszeiten
- 4 Weltelemente.
Von daher wird sie ganz harmonisch zur Zahl der
Welt. Dies äußert sich im Alten Testament etwa in den 4 Paradiesströmen
oder auch den 4 Weltreichen, die in Daniel 7 die Vision des Propheten prägen.
-
5: Fünf ist unter anderem die Zahl der in
der Antike bekannten Planeten. Von daher - wie genau kann ich jetzt
nicht genauer ausführen, wir können hier nicht die ganze antike
Zahlenlehre abhandeln - wird sie zur Zahl der babylonischen Mutter-
und Liebesgöttin Istar, der Gattin des Himmelsgottes Anu.
Vermittelt über Istar wird die fünf später dann Zahl der Venus.
Durch diese Göttinnen, die immer auch den Gedanken Sexualität und
Fruchtbarkeit implizieren, wird die Fünf zur Zahl der Hochzeit.
Dieser Gedanke findet im Neuen Testament seinen
Niederschlag in den fünf törichten und den fünf klugen Jungfrauen,
die zum Hochzeitsmahl eingeladen sind. (Matthäus 25)
-
6: Die Zahl Sechs ist in der Antike die Zahl
des Makrokosmos bzw. des Kosmos im Gegensatz zur himmlischen, göttlichen
Sphäre. Von daher ist die Zahl der Schöpfungstage der Welt gleich
Sechs. Sechs ist die Hälfte von Zwölf. Bei der Zwölf werden wir
sehen, dass sie die Zahl der himmlischen Vollkommenheit ist. Sechs wäre
dann die bedingte, die irdische Vollkommenheit. Von daher ist sie
auch die Zahl der Altersstufen der Menschen.
Die Zahl der Flügel der Seraphime ist - wie wir
oben gesehen haben - auch sechs. Hier spielt sicher das Produkt 2 x 3
eine Rolle, drei Paare von Flügeln. Ganz ähnlich ist der Davidsstern
zu deuten. Er ist aus zwei gleichseitigen Dreiecken zusammengesetzt.
-
7: Die Zahl Sieben ist in der babylonischen
und israelitischen Religion das Zeichen der Ganzheit, der Fülle und
Vollkommenheit. Sie ist die Summe von 3 und 4. Dies wird noch einmal
dadurch unterstrichen, dass die Zahl der Planeten nach antiker
Vorstellung vermehrt um Sonne und Mond sieben ergibt. Damit wird die
Sieben auch die Zahl der Vollkommenheit des Universums. In diesem
Sinn wird sie auch von den Griechen und später auch von Augustinus
übernommen.
Im Alten Testament schlägt sich dies an einer
ganzen Reihe von Stellen nieder. 7 mal heißt es in 1. Mose 1 bei der Erschaffung der Welt
["bara"] = "er schuf", obwohl hier
interessanterweise von 8 Werken gesprochen wird. Dies unterstreicht den
Symbolgehalt der Aufzählung.
Im gleichen Zusammenhang wird 7 mal "und Gott
sah, dass es gut war" gesagt; 7 mal heißt es "und es ward
so"; und natürlich ruht Gott am siebten Tag.
Die 7 Tieropfer in 4. Mose 28:17-25 und Hesekiel
45:23 stehen in der langen Reihe der "Siebener-Stellen"
im Alten Testament.
Hier hinein gehört auch der siebenarmige Leuchter
(die Menora), der an den Lebensbaum erinnert,
oder die sieben fetten und die sieben mageren Kühe im Traum des
Pharao aus der Genesis.
Von Bedeutung ist im übrigen auch Sacharia 3:7-9. Hier lässt der Prophet Jahwe zu Josua sprechen:
"So spricht Jahwe Zebaot: Wenn du auf meinen
Wegen wandelst und meinen Dienst recht versiehst, dann sollst du mein
Haus verwalten und meine Vorhöfe bewachen, ja ich werde dir Zutritt
geben zu denen, die hier stehen. Denn siehe, der Stein, den ich Josua
vorgelegt habe - auf dem einen Stein ruhen sieben Augen -, siehe, ich
werde eine Inschrift eingraben, spricht Jahwe Zebaot". (Sacharia
3:7-9)
Die sieben Augen sind Symbol für Jahwe und hier
ganz besonders für seine Allgegenwart und Allwissenheit.
Das Neue Testament und die
christliche Tradition stellen sich in die Linie dieser Zahlensymbolik
mit
Die Zahlensymbolik findet sich in der katholischen Tradition wieder
in den
- den sieben Sakramenten,
- der Sieben als Zahl der Tugenden,
- der Todsünden,
- der Gaben des Heiligen Geistes,
- der Werke der Barmherzigkeit.
Die Apokalypse kennt eine Menge von
Siebener-Gruppen.
Auch im Islam kehrt die Zahl Sieben als heilige Zahl wieder.
Acht Menschen überlebten die Sintflut (Genesis 7,13)
und dies war auch der Beginn eines neuen Bundes mit Gott. Hier ist der
Regenbogen das Zeichen ewigen des Bundes
Gottes mit allen Lebewesen (Genesis 9,16-17).
Am achten Tag nach der Geburt eines männlichen
Nachkommen soll die Beschneidung als Zeichen des Bundes mit Gott
vollzogen werden. Dieser ebenfalls ewige Bund bezieht sich auf Abraham
und dessen Nachkommen, sowie seine Sklaven (Genesis 17,12 - 14).
Dieser Bund gilt als gebrochen, wenn jemand nicht beschnitten wird.
Genesis 17,14
Ein Unbeschnittener, eine männliche Person, die am Fleisch ihrer
Vorhaut nicht beschnitten ist, soll aus ihrem Stammesverband
ausgemerzt werden. Er hat meinen Bund gebrochen.
Bei der Gründung der ersten christlichen
Gemeinden wird dies zum Problem. Paulus spricht dann von den im Geiste
Beschnittenen
(Römer 2:26-29).
Als Zahl für den Bund mit Gott taucht die Zahl auch in den Maßen der
geheiligten Stätten auf. (Ex 36,30 beim Offenbarungszelt (Exodus
33,7), das Moses bauen ließ; 1. Könige 7,10 beim Bau des Tempels
Salomos).
- 10: Die Zahl 10 ist zuallererst die Anzahl
der Finger. Das ist in sofern wichtig, als man die zehn Finger in
der Frühzeit häufig als Abzählhilfe verwendet hat. Vor allem beim
Rezitieren von auswendig gelernten Merksätzen konnte man sich an
den Fingern recht leicht orientieren. Von daher gibt es in der
Antike recht häufig Zehnerreihen von bestimmten Sätzen, bei deren
Aufsagen die Finger als Abzählhilfe dienten.
Zu diesen Zehnerreihen gehört mit Sicherheit auch
die Gebotssammlung des Dekalogs. Die Zehnzahl war vor allem eine
Merkhilfe. Man konnte beim Aufsagen der Gebote die Finger zu Hilfe
nehmen und die Reihenfolge der Gebote an ihnen abzählen.
Diese alten Zehnerreihen finden dann in späterer
Zeit ihren Nachhall in kunstvoll gestalteten Aufzählungen. Vielleicht
wirkt der Dekalog auch in den 10 Schöpfungsworten nach.
Die Zahl 10 findet dann auch Verwendung als Zahl der
Geschichtsepochen und kommt daher immer wieder in den
Geschlechterlisten vor:
- es sind 10 Generationen von Adam bis Noah
- 10 Generationen von Sem bis Abraham
- aber auch 10 Urkönige der Babylonier und Ägypter.
- 12: Die Zahl 12 ist die große kosmische
Zahl in China genauso wie in Babylon. Sie ist die Grundzahl des
Sexagesimalsystems.
Als Produkt von 3 und 4 wird sie zur Zahl der
himmlischen Vollkommenheit. Von daher ist sie auch die Zahl des
Tierkreises.
In Ägypten teilt man den Tag in 12 Stunden, das
Jahr in 12 Monate. Die gnostische Emanation kannte 12 Äonen.
Die Zahl 12 ist durch den Hintergrund der Zahlen
3 und 4 auch die Zahl der Vollständigkeit und der Heiligkeit.
Sie wird letztlich in Israel zur Zahl der
Volksgemeinschaft, was sich in den
12 Stämmen Israels, aber auch in der Rede von 12
großen Richtern im Buch der Richter äußert. In der Bibel taucht die Zahl 12 sowohl als magische Zahl, als auch
als symbolische Mengenangabe auf. Auch bei der Zahl der Apostel
lässt sich zeigen, dass es sich hierbei nicht um exakt 12 Männer
handelte. Mehr dazu unter "Die
Zahl zwölf in der Bibel"
-
33: Diese Zahl könnte symbolische Bedeutung
haben, da hiermit die Anzahl der Tage festgelegt ist, die eine Frau
nach der Geburt zu Hause bleiben sollte. Die Frau durfte in dieser
Zeit auch nichts Geweihtes berühren und auch nicht den Tempel
aufsuchen (Leviticus 12,4). Die Zahl taucht auch noch an anderer
Stelle in der Bibel auf. Zum einen als Anzahl der Kinder, die Jakob in
Paddan-Aram von seinen beiden Frauen geboren wurden (Genesis 46,15)
und als Regierungszeit des Königs David in Jerusalem (1.Könige 2,11;
1.Chronik 3,4; 1.Chronik 29,27). Im Buch Ezechiel taucht diese Zahl
als Anzahl der Nebenräume des Tempels auf, wobei es umstritten ist, ob
es sich um 30 Nebenräume in drei Stockwerken handelte oder wie in
einer anderen Quelle (H) angegeben um 33 (Ezechiel 41,6). Das Buch
Ezechiel beschreibt nicht das irdische Jerusalem, sondern das
himmlische. In diesem apokalyptischen Buch tauchen mytische Gestalten
wie Gog und Magog auf, andererseits werden aber wie auch in der
Apokalype des Johannes (Offenbarung) nur Völker bzw. Städte in der
Umgebung des damaligen Israel genannt. Phantasie oder Prophetie,
das ist die Frage . . .
-
40: Die Zahl 40 bezeichnet, astronomisch
gesehen, die Anzahl der Tage während der die Plejaden hinter der
Sonne verschwinden. Es ist also die Zahl ihrer Fluchtzeit. Diese
astronomische Beobachtung prägt den Bedeutungsgehalt der Zahl 40.
Sie wird fortan zur Zahl der Flucht, aber dann auch zur Zahl der
Erwartung und der Vorbereitung. Hier sind als Beispiel etwa die 40
Jahre in der Wüste oder die 40 Tage des Wüstenaufenthalts Jesu
anzuführen.
Dies mag als Andeutung über den vielfältigen
Bedeutungsgehalt einzelner Zahlen an dieser Stelle genügen.
3. Die Gematria
Der Begriff stammt vom griechischen Wort
["geometría"], was soviel bedeutet wie
"Zahlenlehre" oder "Buchstabenrechnung". Vielleicht
steckt auch das Wort
["grammateía"] ("Schrift") dahinter.
Die Gematria ist ein Phänomen, das uns in der
altorientalischen und jüdischen, genauso wie in der griechischen,
christlichen und arabischen Überlieferung begegnet. In Talmud und Kabbala dient die Gematria oft der
Schriftexegese (Schriftauslegung).
Nur wer sich das vor Augen hält, wird im Neuen
Testament etwa den Stammbaum Jesu in der von Matthäus überlieferten
Form verstehen. Hier handelt es sich keineswegs um eine historische
Aufzählung der Vorfahren Jesu. Wir haben es hier vielmehr mit einer
auf der Grundlage der Gematria kunstvoll zusammengestellten Aufzählung
zu tun, die der Autor im Schlusssatz selbst erklärt:
"Alle Geschlechter also von Abraham bis David
sind vierzehn Geschlechter, und von David bis zur Wegführung nach
Babylon sind es vierzehn Geschlechter, und von der Wegführung nach
Babylon bis zu Christus vierzehn Geschlechter." (Matthäus 1:17)
Matthäus konstruiert hier einen Zusammenhang mit
der Zahlenmystik. Um dies zu erreichen lässt er einige Namen weg (vgl.1.
Chronik 3:11-12). So kommt er zu den 3 x 14 Generationen
sind, 3 mal die Davidszahl. Damit wird Jesus Christus auch tatsächlich
als aus dem Geschlecht Davids stammend erwiesen. Und gleichzeitig - dafür
steht die 3 - mit Gott in Verbindung gebracht.
1. Mose 14,14:
Als Abram hörte, sein Bruder sei gefangen,
musterte er seine ausgebildete Mannschaft, dreihundertachtzehn Mann,
die alle in seinem Haus geboren waren (wörtlicher: seine
hausgeborenen Sklaven), und nahm die Verfolgung auf bis nach Dan.
Kann man wirklich davon ausgehen, dass Abraham 318
Sklaven hatte? Und sollten es tatsächlich exakt 318 gewesen sein? Würde
man, bei den sonstigen Gepflogenheiten der Schrift, hier nicht
erwarten, dass es heißt, Abram hätte 300 Mann, oder auch viele
hundert Mann ausgesandt?
Des Rätsels Lösung bietet der in dem - wenn auch
verderbten - Vers 1. Mose 15:2 genannte Hauptknecht des Abram
[">æli<æsær"]. Elieser war
Hauptknecht Abrams. Und wenn Abram seine Knechte ausgesandt hat, dann
natürlich unter seiner Leitung und Führung. Elieser aber schreibt
sich mit den hebräischen Konsonanten:
Zählt man diese Zahlwerte zusammen, ergibt sich
exakt die Zahl 318. Wenn Abram also in 1. Mose 14:14 318 Knechte aussendet, dann heißt das nichts anderes, als
dass er seine Knechte unter der Führung des Hauptknechtes Elieser
ausgesandt hat.
Mit Hilfe der Gematria hat man nun auf die Zahl der
Knechte geschlossen, was nun nicht heißt, dass man auch damit sagen
wollte, dass es so viele gewesen sind. Das war nicht die Absicht der
Gematria. Es ging viel eher um die kunstvolle Angabe der Zahl der
Knechte, die man hinter dem Namen Eliesers verborgen sah.
-
Wörter mit gleichem Buchstabenwert wurden gemäß
den Methoden der Gematria als Synonyme gedeutet. Im Griechischen
sind etwa
["theos"],
["agathos"] und
["hagios"] austauschbare Begriffe. Sie ergeben jeweils den
Zahlenwert 284. Auffallende Zahlen oder
Quersummen wurden als Geheimnisse gedeutet. Die Zahl 666 der
Apokalypse wird so beispielsweise auf Kaiser Nero gedeutet. Sein
hebräisch geschriebener Name
["Kesar Neron" (Kaph Samech Resch Nun Resch Waw Nun)]
ergibt diese Quersumme. Interessant noch ein kleiner Nebenaspekt: In
einigen alten Handschriften taucht in Offenbarung 13:18 manchmal die
Zahl 616 auf anstelle von 666. Interessant ist in diesem
Zusammenhang, dass Quesar Neron, die griechische Form des Namens
Nero, in hebräischen Buchstaben die Zahl 666 ergibt, die
lateinische Form Quesar Nero in hebräischen Buchstaben die Zahl 616
ergibt. Die Zahl 666 taucht aber auch im Zusammenhang mit dem
Reichtum Salomos auf.
-
1.Könige 10,14
Das Gewicht des Goldes, das alljährlich bei Salomo einging, betrug
sechshundertsechsundsechzig Goldtalente. (2.Chronik 9,13)
(Wilhem Bousset, die Offenbarung es Johhanis, Göttingen 1906
- Robert Henry Charles, A Critical and Exegetical Commentary on the
Revelation of St. John..., 1920 - Alfred Wikenhauser die Offenbarung
des Johannes übersetzt und erklärt 1959, Heinrich Kraft, zur
Offenbarung des Johannes 1973). Nach einer anderen Interpretation
ergibt die Summe der römischen Zahlen ohne M = 1000 die Zahl 666 (I
[1]+ V[5] + X[10] + L[50] + C[100] + D[500]).
-
Äußerst kunstvoll ist nun eine weitere
Zahlenangabe. In 4. Mose 1:46 wird die Zahl aller Angehörigen des Volkes Israel
angegeben, die aus Ägypten ausgezogen sind:
Alle gemusterten Israeliten beliefen sich, nach
ihren Familien, von zwanzig Jahren an aufwärts, alle in Israel soweit
sie kriegsdiensttauglich waren, alle Gemusterten also beliefen sich
auf 603550" (4. Mose 1:45-46)
In der Parallelstelle 2. Mose 12:37 wird die Zahl
der aus Ägypten ausgezogenen Israeliten mit 600000 angegeben. Bei dieser eigenartigen Zahlenangabe, 603550, muss
man ja fast vermuten, dass hier noch etwas anderes dahintersteckt. Mit
etwas Geschick lässt sich dieses auch entdecken. Man muss dazu den
Ausdruck
["bene jisrael"], "Söhne
Israels" mit Hilfe der Gematria aufschlüsseln. Das sieht
folgendermaßen aus:
 |
["Beth"] |
= 2 |
 |
["Nun"] |
= 50 |
 |
["Jod"] |
= 10 |
 |
["Jod"] |
= 10 |
 |
["Sin"] |
= 300 |
 |
["Resch"] |
= 200 |
 |
["Aleph"] |
= 1 |
 |
["Lamed"] |
= 30 |
Diese Zahlenwerte ergeben
die Quersumme 603. Da es sich bei der genannten Größe um die Fülle
aller Söhne Israels handelt, multipliziert man diese Zahl ganz
einfach noch einmal mit 1000. Die Anzahl der Söhne Israels beträgt
demnach 603000.
Um nun noch einmal auszudrücken, dass es sich nun
auch wirklich um alle Söhne Israels handelt, fügt man nun noch den
Ausdruck
["kål rosch"], "jeder Kopf", "die ganze
Anzahl", "Summe", hinzu. Dieser Ausdruck ergibt
folgende Zahlenwerte:
 |
["Kaph"] |
= 20 |
 |
["Lamed"] |
= 30 |
 |
["Resch"] |
= 200 |
 |
["Aleph"] |
= 1 |
 |
["Schin"] |
= 300 |
Die Summe ergibt nun 551. Addiert man dies zum
soeben errechneten Zahlenwert der Söhne Israels kommt man auf 603551,
also nur eins mehr als die Zahl,
die in 4. Mose 1:46 und 4. Mose 2:32
angegeben wird. Diese Zahl könnte demnach einfach "Summe aller Söhne
Israels" besagen. Einen Schönheitsfehler hat diese Deutung
allerdings. Die Zahl erscheint als Summe von 12 Zahlen (der 12 Stämme
des Hauses Israel), die hier detailliert aufgeführt sind mit auf 50
gerundeten Werten. Wenn diese Zahl also eine symbolische Zahl ist,
dann stellt sich die Frage nach dem Symbolgehalt der anderen
Zahlen.
-
Die Zahl
einhundertdreiundfünfzig in Johannes 21:11 wurde schon von
Augustinus als Summe der
Zahlen 1+2+3+...+17 gedeutet. Die Zahl 17 entspricht der Quersumme
des hebräischen Wortes "tow" (Zahlenwert 9+6+2 = 17).
Dieses Wort kommt u. a. in der Schöpfungsgeschichte in dem Satz
"und Gott sah dass es gut war [tow]" vor, jeweils
am Ende eines Schöpfungstages. Nur bei der Schöpfung des
Menschen fehlt dieser Satz. Der Autor des Evangeliums wollte
vielleicht auf diese Weise sagen, dass Jesus mit dem
Fischfang eine gute Tat vollbracht hat oder dass er seinen Jüngern
zu einem guten "Fischfang" verholfen hat.
Eine weitere Besonderheit der
Zahl 153 ist, dass sie aus der Summe der dritten Potenz der
einzelnen Zahlen zusammengesetzt ist ( 153 = 13
+ 53 + 33
) Nach einer anderen Deutung von
Cyrill von Alexandria ist die Zahl 153 aus 100 + 50 + 3
zusammengesetzt, wobei 100 für die Zahl der Heiden steht, 50 für die
Zahl des Restes Israels und 3 für die Trinitität. Wie Cyrill zu
dieser Deutung kam ist nicht ganz nachvollziehbar. Mit der Zahl
100 bezieht er sich vielleicht auf des Buch Ezechiel. Die Zahl
Hundert taucht hier auf als Außenmaß des Tempels des himmlischen
Jerusalems (Ezechiel 41,13). Die Zahl Hundert taucht aber auch an
etlichen anderen Stellen der Bibel auf. Unter anderem bezeichnet
sie das Mindestalter, das ein guter Mensch im Paradies des Jesaja
erreichen kann.
Jesaja 65,17-25
Ja, vergessen sind die früheren Nöte, sie sind meinen Augen
entschwunden. Denn schon erschaffe ich einen neuen Himmel und eine
neue Erde. Man wird nicht mehr an das Frühere denken, es kommt
niemand mehr in den Sinn. Nein, ihr sollt euch ohne Ende freuen und
jubeln über das, was ich erschaffe. Denn ich mache aus Jerusalem
Jubel und aus seinen Einwohnern Freude. Ich will über Jerusalem
jubeln und mich freuen über mein Volk. Nie mehr hört man dort lautes
Weinen und lautes Klagen. Dort gibt es keinen Säugling mehr, der
nur wenige Tage lebt, und keinen Greis, der nicht das volle Alter
erreicht (120 Jahre, Genesis 6, 3); wer als Hundertjähriger stirbt,
gilt noch als jung, und wer nicht hundert Jahre alt wird, gilt als
verflucht. Sie werden Häuser bauen und selbst darin wohnen, sie
werden Reben pflanzen und selbst ihre Früchte genießen. Sie bauen
nicht, damit ein anderer in ihrem Haus wohnt, und sie pflanzen
nicht, damit ein anderer die Früchte genießt. In meinem Volk
werden die Menschen so alt wie die Bäume. Was meine Auserwählten
mit eigenen Händen erarbeitet haben, werden sie selber verbrauchen.
Sie arbeiten nicht mehr vergebens, sie bringen nicht Kinder zur
Welt für einen jähen Tod. Denn sie sind die Nachkommen der vom
Herrn Gesegneten und ihre Sprößlinge zusammen mit ihnen. Schon ehe
sie rufen, gebe ich Antwort, während sie noch reden, erhöre ich sie.
Wolf und Lamm weiden zusammen, der Löwe frißt Stroh wie das Rind
[doch die Schlange nährt sich von Staub]. Man tut nichts Böses
mehr und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg,
spricht der Herr.
Man sieht deutlich, dass hier Johannes Anleihen genommen hat für
seine Offenbarung. Nur wird dort ein ewiges Leben verheißen.
4. Die Verwendung von Idealzahlen
Um eine etwas andere Art von Symbolgehalt einzelner
Zahlen geht es bei den sogenannten Idealzahlen. Idealzahlen sind Zahlen,
die oftmals kunstvoll zusammengesetzt sind oder aus anderen Kulturen
übernommen wurden.
Idealzahlen finden zum Beispiel bei Altersangaben mit
Vorliebe Verwendung.
-
Josef wurde 110 Jahre alt. Die Zahl 110 dürfte auf eine ägyptische
Symbolzahl zurückgehen. Sie ist die Lieblingszahl der Ägypter, mit
der sie ein geglücktes Leben umschreiben.
-
Henoch wiederum wurde 365 Jahre alt. Auch hier geht
es nicht darum, welches Produkt hinter dieser Zahl steht. Die Zahl
365 entspricht vielmehr der Zahl des Sonnenjahres und verheißt
damit einen glücklichen Lebenslauf.
Auch in anderen Kulturen war diese Art der
Altersangaben üblich. Die Urkönige der Babylonier beispielsweise
werden der Überlieferung nach zwischen 12000 und 18000 Jahre alt.
5. Vollkommene Zahlen
Schon den griechischen Mathematikern
in vorchristlicher Zeit waren Zahlen bekannt, die durch ihre besonderen
Eigenschaften auffielen. So bezeichnete man schon bei Euklid von
Alexandria (griechischer Mathematiker im 3. Jahrhundert v. Chr.) Zahlen
die aus der Summe ihrer Teiler zusammengesetzt sind als vollkommene
Zahlen. Die erste dieser Zahlen ist die Zahl 6 (6 = 1 + 2 + 3,
6 ist teilbar durch 1, 2 und 3). Schon der heilige Augustinus erwähnt
diese Zahl (Augustinus, geb 354 n. Chr. war von 396-430 Bischof von
Hippo einer Stadt in Afrika und gilt als einer der bedeutensten
katholischen Theologen seiner Zeit).
Die Sechs ist in sich selbst eine
vollkommene Zahl und nicht weil Gott alle Dinge in sechs Tagen erschaffen
hat; eher ist das Umgekehrte wahr; Gott erschuf alle Dinge in sechs
Tagen, weil diese Zahl vollkommen ist. Und sie würde vollkommen bleiben,
auch wenn das Werk der sechs Tage nicht existierte. Augustinus
Eine weitere dieser vollkommenen Zahlen ist die Zahl
28. (28 = 1 + 2 + 4 + 7 + 14). Diese vollkommene Zahl entspricht
der Anzahl von Tagen eines Mondzyklus. Den Philosophen und Theologen
Albertus Magnus (1200 - 1280 n. Chr.) inspirierte dies zu der
Feststellung, dass der mystische Leib Christi in der Eucharistie 28
Phasen habe.
Die vollkommene Zahl 28 spielt auch im
Islam eine wesentliche Rolle, denn die religiösen Moslems setzen die 28
Buchstaben des Alphabets, in dem der Koran geschrieben ist, mit den 28
"Mondstationen" in Beziehung. So meint der berühmte arabische
Mathematiker al-Biruni (1048 n. Chr.), dass dieser Zusammenhang die enge
Verbindung zwischen Kosmos und dem Wort Gottes im Koran zu Ausdruck
bringt. Bemerkenswert ist auch, dass der Koran 28 Propheten vor Mohammed
erwähnt.
Auch der jüdische Rabbiner Josef ben
Jehuda Ankin empfiehlt schon im 12. Jahrhundert in seinem Buch "Zur
Heilung der Seelen" diese Zahlen zu studieren.
Die vollkommenen Zahlen lassen sich
alle nach der Formel 2n (2n+1
- 1) berechnen, wobei (2n+1 - 1) eine
Primzahl sein muss. Dies hat der große Mathematiker Euler nachgewiesen
(Leonhard Euler, geboren am 15. April 1707 in Basel, gestorben am 18.
September 1783 in Sankt Petersburg). Gleichzeitig sind alle vollkommenen
Zahlen außer der Zahl 6 Summen der dritten Potenz einer aufsteigenden
Reihe ungerader Zahlen.
28 = 13
+ 33
496 = 13
+ 33 + 53
+ 73
8128 = 13
+ 33 + 53
+ 73 + 93
+ 113 + 133
+ 153
Bis heute kennt man etwa 30
vollkommene Zahlen. Mehr dazu in dem Buch "Die Mathematik und das
Göttliche" Autor Clifford A. Pickover, Spektrum akademischer Verlag.
Quelle:
www.joerg-sieger.de
Hier finden sich auch weitere Quellenangaben
Vgl. auch Karl Hermann Schelke, Art.: Gematria, in: LThK
(1960) IV/642; Johann Michel, Art.: Apokalyptische Zahl, in: LThK (1957)
I/707, sowie das im Matrix-Verlag erschienene Buch "Das Geheimnis der
heiligen Zahlen" und das im Spektrum akademischer Verlag erschienene Buch
"Die Mathematik und das Göttliche".
Zu Zahlenspielereien, die bis in die Antike
zurückreichen siehe magische
Quadrate.
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